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Was Bewertungsplattformen für das Hochschulmarketing bedeuten

Sie sind zu einem nicht mehr wegzudenkenden Element des Internets geworden: Bewertungen. Hotels, Restaurants oder Friseure – User teilen ihre Erfahrungen und machen auch mal ihrem Ärger Luft. Ob die Unternehmen das wollen oder nicht. Auch für Hochschulen gewinnen Bewertungen im Internet an Bedeutung. In der Strategie ihres Marketings und der Öffentlichkeitsarbeit sollten Hochschulen Bewertungsplattformen deshalb miteinbeziehen.

Lange Zeit war das CHE-Hochschulranking für Studieninteressierte die einzige Größe, wenn es um die Bewertung einer Hochschule ging. Dieses Ranking, das Zeit Online jährlich durchführt, basiert auf Befragungen von Studenten und Hochschulpersonal. Die Fragebögen teilen die Hochschulen selbst aus, was das Ranking leicht manipulierbar macht. Zudem legen die Autoren des Rankings die Quelldaten nicht offen, was dem Ranking den Vorwurf mangelnder Transparenz einbrachte.

Viele Studenten und vor allem Studienanfänger suchen jedoch nach Berichten, die Erfahrungen unverschnörkelt und direkt wiedergeben. Laut einer Studie des CHE Centrum für Hochschulentwicklung von 2007 halten 52 % der befragten Schüler Rankings für unwichtig oder eher unwichtig für die Studienwahl. Ein weiteres interessantes Ergebnis der Studie: 90 % der Befragten sehen das Internet als wichtigste Informationsquelle an. Bei der Hochschulwahl setzen Studieninteressierte also nur teilweise auf Rankings. Zudem suchen sie sich ihre Informationen gerne im Internet. Bei dieser Suche kommen sie zwangsläufig auch mit Beiträgen von anderen Usern in Berührung, zum Beispiel in sozialen Netzwerken oder auf Bewertungsplattformen. Diese zu pflegen und zu beobachten, sollte für Hochschulen, die neue Studenten für sich gewinnen wollen, also erklärtes Ziel sein.

Welche Bewertungsmöglichkeiten gibt es?

Das Angebot an Bewertungsplattformen für Hochschulen ist inzwischen vielfältig. Für Diskussion sorgte beispielsweise das Portal MeinProf.de, das die Bewertung einzelner Dozenten ermöglicht. Die einzelnen Kritiken sind allerdings nur für registrierte User sichtbar. Das Hochschulranking der Webseite setzt sich ausschließlich aus den Bewertungen der Professoren zusammen, lässt also andere Faktoren wie Ausstattung oder Organisation unter den Tisch fallen. Weitere Bewertungsplattformen sind UNICheck, das zur UNICUM Gruppe gehört, und StudyCheck.de, das seit Anfang 2013 online ist. UniCheck versteht sich allerdings eher als Hochschulverzeichnis. Die Bewertung der Hochschulen gibt das Portal in Sternen aus. Die einzelnen Erfahrungsberichte sind allerdings nicht aufrufbar. So ist für Besucher nicht nachvollziehbar, wer eine Bewertung abgegeben hat und vor allem mit welcher Begründung.

Genauso verhält es sich mit den Bewertungen in der Google-Suche. Gibt man dort beispielsweise „Uni Bonn“ ein, zeigt Google in der Ergebnisliste direkt unter der Webseite der Hochschule Bewertungen mit Sternen an. Da in der Regel die meisten User über Google auf eine Webseite kommen, kann diesen Bewertungen durchaus Bedeutung zugemessen werden. Allerdings sind die Berichte in den Google-Bewertungen selten ausführlich und bestehen in den meisten Fällen lediglich aus eben diesen Sternen.

Einen anderen Weg geht StudyCheck, das zu den einzelnen Bewertungen auch ausführliche Erfahrungsberichte veröffentlicht. Und die Besucher nutzen diese Möglichkeit ausgiebig. Rezensent Tim ist beispielsweise von seinem Studium „Enviroment and Energy“ an der Hochschule Rhein-Waal offensichtlich enttäuscht und vergibt im Durchschnitt nur einen Stern. Das begründet er aber auch mit einem Erfahrungsbericht, der mehr als 1.000 Wörter umfasst. Insgesamt hat das Portal über 900 solch ausführlicher Berichte gesammelt, die wohlgemerkt überwiegend positiv ausfallen. Im Durchschnitt bewerten die Studenten und Absolventen ihre Hochschulen mit 3,8 von 5 Sternen und 85,5 % empfehlen ihr Studium weiter.

Wie sollten Hochschulen mit Bewertungen umgehen?

Bewertungen gehören zum Internet, der Trend des User-Generated-Content ist nicht mehr aufzuhalten. Es wäre also ein Fehler, Bewertungen nicht in das Hochschulmarketing mit einzubeziehen. Hochschulen sollten Bewertungsplattformen zunächst beobachten. Schließlich stellen die Erfahrungsberichte ein Feedback dar, das sich auch zur Verbesserung der Studienbedingungen einsetzen lässt. Außerdem können Hochschulen auf diese Weise schnell auf die Bewertungen reagieren, falls die Stimmung doch mal ins Negative umschlägt.

Doch wie sollten Hochschulen mit negativen Bewertungen umgehen? Ein Weg ist, die Kritik aufzugreifen und eine Rückmeldung zu geben. Viele Portale ermöglichen den Hochschulen, in Form von Kommentaren Stellung zu beziehen. Auch wenn sich die Wirkung einer negativen Bewertung dadurch nicht in Luft auflöst, so wird sie immerhin entschärft. Vor allem zeigt die Reaktion zukünftigen Lesern: Diese Hochschule ist engagiert und kümmert sich um die Belange der Studenten.

Eine weitere wichtige Strategie ist, selbst aktiv für Bewertungen zu werben. Hochschulen sollten ihre Netzwerke nutzen und auf diese Funktionen hinweisen. Besonders Fans der eigenen Facebook-Seite, Twitter-Follower und natürlich Alumni-Netzwerke eignen sich sehr gut dafür, positive Erfahrungsberichte zu akquirieren. Diese Gruppen haben meist eine gute Bindung zu ihrer Hochschule und geben dies gerne an zukünftige Studenten weiter.

g.zimmermann@online-akademie.com

Geraldine Zimmermann ist seit 2012 als Redakteurin bei der Online Akademie tätig, einem Anbieter für Informationsportale rund um die Themen Studium, Bildung und Karriere. Das Projekt StudyCheck der Online Akademie hat sie von Anfang an begleitet.