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Browserstrategie leicht gemacht

Gerade wenn man kein Webentwickler ist und nicht fließend HTML, CSS oder Javascript spricht, überlässt man dieses Thema vermutlich eher Spezialisten. Im Zuge zunehmender Digitalisierung lohnt es sich aber, gerade in der Öffentlichkeitsarbeit, dieses vermeintliche Nischenthema näher zu betrachten, um qualitativ und ökonomisch auch zukünftig mithalten zu können.

Print und Web müssen sehr unterschiedlich konzipiert und umgesetzt werden, um ihr volles Potenzial ausschöpfen zu können. Websites werden immer im Browser rezipiert. Um die Konsequenzen dieser Eigenschaft des Mediums Internet zu verstehen, lohnt es sich, die Bedeutung dieser Abhängigkeit und daraus resultierenden Handlungsentscheidungen bewusst zu machen. Ansonsten läuft man Gefahr, einer Vielzahl an Mythen zu erliegen die oftmals viel Qualität und Geld kosten können.

Eigentlich ist es ganz logisch: Eine gute Website sieht in modernen Browsern besser als in einem Alten aus. In anderen Bereichen als der Webentwicklung stößt dieser Zusammenhang auf weit weniger Gegenwehr. Wer sich einen neuen Fernseher kauft, der erwartet auch, dass dieser ihm einen höheren Fernsehgenuss und mehr Funktionen beschert als sein Vorgänger. Moderne Browserstrategien könnten also ebenso einfach zu verstehen  sein, wenn da nicht so viele Mythen um sie existieren würden.

Beliebte Browsermythen

  • Eine Website kann überall pixelgenau gleich aussehen. Es ist nur mehr Aufwand.
  • Eine Website muss in allen Browsern gleich aussehen.
  • Die meisten normalen Menschen, die nicht in Internetberufen tätig sind,  haben doch ältere Internet Explorer.
  • Progressive Enhancement bedeutet, es werden nur die neuen Browser unterstützt. Auf älteren Browsern sieht die Website schlecht aus.

Diese und zahlreiche weitere Mythen halten Webdesigner und Webentwickler viel zu häufig davon ab, zeitgemäße Websites zu gestalten. Diese funktionieren vollständig auf unterschiedlichen Endgeräten und Browsern und und können dabei die Fähigkeiten modernster Webtechnologien bedienen. Mythen sind auch heute noch oftmals Anlass für Investitionen, um einer mittlerweile eindeutigen Minderheit der Nutzer (z.B. Internet Explorer 7), durch oft sehr fehleranfällige Programmiertricks, sogenannte Hacks und Workarounds, die Resultate modernerer Browsertechnologien auf Umwegen bereit zu stellen. Dadurch werden die Websites für Minderheiten visuell etwas ansprechender. Sie werden aber auch für alle Nutzer wesentlich fehleranfälliger und in Summe teurer.

Komplexere Elemente wie HTML5-Technologien, Animationen, CSS3 oder Ajax-Requests sind so jedoch niemals einfach mit mehr Aufwand nachrüstbar. Diese bleiben modernen Browsern vorbehalten. Wer einen vergleichbar alten Röhrenfernseher besitzt (IE7 2005, IE6 2001) erwartet auch in den seltensten Fällen HD-Kanäle in voller Brillanz genießen zu können. Es  ist aber trotzdem möglich sie wie gewohnt auf der Röhre schauen zu können. Mit der richtigen Strategie lässt sich dieses Erfolgskonzept  auf die Browserwelt und Websites übertragen.

 

Browservergleich Chrome vs Internet Explorer 7

Progressive Enhancement

neuer = besser = mehr Funktionen

So einfach lässt sich zusammenfassen, worauf Progressiv Enhancement abzielt. Dies wird möglich, wenn man Webentwicklung schichtweise gliedert. Die Basis bildet ein solides semantisches Fundament (HTML). Darauf baut die Design-Schicht auf (CSS). Moderne Technologien und Funktionen  wie Animationen oder Javascript werden erst in einer darauf aufbauenden dritten Schicht implementiert. So wird ein gestaffeltes Angebot für Browser unterschiedlicher Leistungsfähigkeit geschaffen. Dies ermöglicht auf jedem System, im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten, das Optimum zu leisten und trotzdem eine fehlerfreie Erreichbarkeit aller zu gewährleisten.

Fazit

Im Interesse aller Nutzer, Entwickler und Anbieter von Webangeboten gilt es in Zukunft den Mythen nicht mehr zu erliegen, damit Nutzer aller Browser eine vollständig zugängliche und dabei möglichst Leistungsstarke Website erfahren können. Moderne Browserstrategien holen also alte Browser mit einem auf Funktionalität und Schnelligkeit ausgerichteten Basisaufbau ab und ermöglichen neueren Technologien darüber hinaus das Optimum aus einer Website heraus zu kitzeln.

Weiterlesen – Präsentation zum Thema

Die Anregung für diesen Artikel geht auf folgenden Vortrag von Timo Wirth (Frontend Director bei Aperto, Blog: Vorsprung durch Webstandards) zur internen Weiterbildung von Projektmanagern zurück. Mit einem weit höheren Maß an Bildgewalt und Know-How bieten seine Präsentationsfolien einen sehr empfehlenswerten tieferen Einstieg in die Welt der Browserstrategien. Es wird erklärt warum die Mythen im Einzelnen nicht zutreffen und mit Daten belegt warum viele Annahmen nicht mehr zeitgemäß sind.

 

hsm-redaktion@aperto.com

Jan Gröne studierte Angewandte Medienwissenschaften an der TU Ilmenau. Im Rahmen seines Praxissemesters unterstützte er Aperto im Projektmanagement und betreute dort mit den Bereich Hochschulmarketing.