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Deutsche Hochschulen online im Abseits?

Die deutschen Hochschulen sind im Online-Bereich schlecht aufgestellt. Ihre veralteten Hochschul-Websites sind teilweise nicht nur strukturell und gestalterisch auf dem Stand der 1990er Jahre, sondern weder auf die mobile Herausforderung vorbereitet noch auf modernes Online-Marketing eingestellt. Ganz zu schweigen von zielgruppenorientierten Inhalten und konsequenten Corporate Designs.

Bereits in den letzten Artikeln haben unsere Autoren darauf hingewiesen, welche Herausforderungen in dem sich ändernden Online-Markt warten: Immer mehr Nutzer besuchen Websites über mobile Endgeräte und erwarten dort selbstverständlich mobil optimierte Hochschulwebsites. 2013 werden nicht nur mehr Smartphones und Tablets verkauft als PCs und Laptops; es werden auch erstmals mehr Nutzer über mobile Endgeräte als über stationäre PCs auf das Internet zugreifen. Die wenigsten Hochschulen bieten bisher mobile Websites oder Apps an – hier wird ein Trend verschlafen. Dabei ist die Hochschulwebsite noch immer die wichtigste Informationsquelle für Studieninteressierte. Wenn diese nicht auf die Nutzungsgewohnheiten der Studieninteressierten optimiert ist, ziehen diese weiter bei ihrer Suche nach Informationen.

Daneben verlieren die Hochschulen immer mehr Sichtbarkeit im Netz, da sie ihre Hausaufgaben im Bereich Suchmaschinenoptimierung (SEO) nicht machen. Wenn Studieninteressierte im Netz nach relevanten Studienangeboten googeln, landen sie immer öfter bei Studienportalen; – die Hochschulen tauchen oft in den vorderen Ergebnisbereichen gar nicht mehr auf. Die Konsequenz ist, dass sich die Hochschulen mit kostenpflichtigen Profilen auf den zahllosen Studienportalen ihre Sichtbarkeit teuer einkaufen müssen. Dabei lässt sich die Sichtbarkeit im Netz mit wenigen gezielten SEO-Maßnahmen deutlich verbessern. Schließlich gehören Hochschulwebsites mit ihren großen Informationsportalen und zahlreichen Verlinkungen untereinander zu den relevantesten Webangeboten für Suchmaschinen.

Vielen Hochschulwebsites fehlt es nach wie vor an webgerechten und zielgruppenoptimierten Inhalten. Da werden die Texte von 50seitigen Imagebroschüren 1:1 auf die Website kopiert oder die ‚Rechtssicherheit‘ ist wichtiger als ein lesbares Angebot. Kein Studieninteressierter hat Lust, drei Meter Text durchzuscrollen, der noch dazu im feinsten rechtssicheren Beamtendeutsch geschrieben ist. Hier ist dringend eine Orientierung auf die Zielgruppe vonnöten. Hilfreich können hier Personas sein, anhand derer man sich die Informationsbedürfnisse der verschiedenen Zielgruppen beim Schreiben der Texte veranschaulichen kann. Auch sollte kritisch hinterfragt werden, ob wirklich alles im Netz stehen muss – oder die Website nicht mal entschlackt werden kann. Hierzu ist ein Blick in die Webstatistik (sofern überhaupt vorhanden) hilfreich – Seiten die weniger als 100 Mal im Jahr angeschaut wurden, sind vielleicht nicht unbedingt notwendig.

Schließlich ist nach wie vor das Phänomen verbreitet, dass in der Weblandschaft einer Hochschule jeder macht was er will bzw. was seinem Können und Wollen entspricht. Jede Website sieht anders aus. Teilweise ist bei den Lehrstühlen nicht mal das Logo der Hochschule zu finden, sondern der Professor hat sich in Paint selbst ein Logo zusammengebastelt. Es fehlt an verbindlichen Vorgaben zum Corporate Design – oder aber an der Durchsetzungskraft der Zentrale gegenüber Fakultäten, Fachschaften, Instituten, Lehrstühlen usw. Hier ist dringend ein Umdenken notwendig. Alle Einheiten einer Institution sollten für Studieninteressierte auch als eine Institution erkennbar sein. Dabei kann durchaus die Identität der Fakultäten oder Lehrstühle als eigenständige Einheiten erhalten bleiben, es muss aber einen Rahmen geben, der die Zugehörigkeit zur Hochschule erkennbar macht.

2013 gibt es viel zu tun für die deutschen Hochschulen, denn die angerissenen Handlungsfelder stellen nur einen kleinen Ausschnitt dar. Tatsächlich planen bereits zahlreiche Hochschulen die Überarbeitung ihrer Websites für dieses Jahr. Letztes Jahr sind bereits etliche Hochschulen mit überarbeiteten Hochschulwebsites an den Start gegangen, so z.B. die RWTH Aachen, die Technische Universität Hamburg-Harburg, die Palucca Hochschule für Tanz oder vor wenigen Tagen die Universität Potsdam mit dem erneuerten Bereich Studium.

Ein erster Schritt ist also gemacht. Jetzt sollten auch die anderen Hochschulen folgen und ihre Hochschulwebsites auf den neuesten Stand bringen. Denn im Wettbewerb um die besten Studierenden für die eigene Hochschule ist eine zeitgemäße Hochschulwebsite unabdingbar.

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