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Hochschulen im sozialen Netz: Raus aus den Kinderschuhen!

Die Wirtschaft hat das Potential früh erkannt und Social Media als Instrument für die Kommunikation nach außen fest in die Unternehmensstruktur integriert. Doch wie gehen die Hochschulen damit um? Werden die Chancen unterschätzt oder sind die oftmals spärlich besetzten Kommunikationsabteilungen zu sehr mit anderen Aufgaben ausgelastet?

Das Internet, insbesondere die sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter & Co. sind prädestiniert für die Interaktion mit ihren Nutzern und den Austausch von Informationen. Die Reichweite hierfür ist enorm. Wenn man sich alleine die Nutzerzahlen von Facebook zu Gemüte führt, fragt man sich, wer überhaupt noch darauf verzichtet. In Deutschland gibt es aktuell knapp 24 Millionen aktive Facebook-Nutzer – Tendenz weiter steigend. [1]

Der Gesamtanteil an Internet-Nutzern beträgt bei den Jugendlichen mittlerweile 99 Prozent. Bei den 16- bis 17-Jährigen sind es 74 Prozent, die täglich, und 20 Prozent, die das Internet mehrmals in der Woche nutzen und dabei immer mehr in den sozialen Netzwerken unterwegs sind. [2] Jene Altersgruppe, um die die Hochschulen buhlen. Die Schulzeit neigt sich dem Ende zu und man steckt am Anfang seiner Orientierungsphase für die Zeit nach der Schule oder ist – angesichts der G8-Jahrgänge – sogar schon kurz davor, von ihr abzugehen.

Was bedeutet das für die Hochschullandschaft?

Hochschulen sollten diese Entwicklung nicht nur passiv mitverfolgen, sondern einen aktiven Part übernehmen und die Zeichen unserer Zeit erkennen. Menschen vernetzen sich online untereinander, um in Kontakt zu bleiben, sich Neuigkeiten mitzuteilen oder um sich eben zu informieren. Vornehmlich letztere Tatsache müsste die Hochschulen wachrütteln.

Und das tut es – zumindest ansatzweise. Die sozialen Netzwerke sind auch für die Hochschulkommunikation nicht mehr wegzudenken. Aufmerksamkeit ist ein rares Gut im Zeitalter der pausenlosen Reizüberflutung und davon lässt sich jede Menge auf den virtuellen Tummelplätzen abgreifen. So hat mittlerweile die Mehrheit der Hochschulen in Deutschland eine eigene Fanpage auf Facebook. [3] Doch allein damit ist es nicht getan.

Weg von der Information, hin zur Interaktion

Wo früher die Webseitenprogrammierung noch als Garagenprojekte den wenigen Computerenthusiasten vorenthalten war, ist es heute Teil des Dienstleistungssektors und in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Es werden Experten zu Rate gezogen, die sich auf ihrem Gebiet spezialisiert haben, um das bestmögliche an Funktionalitäten und kontinuierlichen Optimierungen auszuschöpfen. Eine Professionalisierung, die aus dem immensen Potential des Mediums hervorgegangen ist.

Die sozialen Medien, so scheint es, sind längst auf denselben Zug aufgesprungen. Eine nette Nebensache für private Nutzer wurde zum Magneten für Unternehmen und… Hochschulen?

Natürlich werden soziale Netzwerke von den Hochschulen genutzt, allerdings ist es oft ein halbherziges Streuen von „trockenen“ Informationen – eben Einbahnstraßenkommunikation. Pressemitteilungen werden über die Fanpage veröffentlicht oder der Twitterkanal als RSS-Feed-Schleuder genutzt. Was fehlt ist ein schlüssiges Kommunikationskonzept, das sich die Interaktion mit Studieninteressierten und Studierenden auf die Fahnen schreibt. So hat die RWTH Aachen mit ihrem Website-Relaunch im Mai auch einen Neuanstrich ihrer Social Media Kanäle bekommen. [4] Sofort nach Ankündigung des Relaunches auf Facebook sind konstruktive Kritiken der Studenten aufgetaucht, woraufhin mit einer erstaunlichen Schnelligkeit und Professionalität vonseiten der Redaktion reagiert wurde. Aufkommende Unzufriedenheit wurde abgefangen und die RWTH Aachen hat sich ihr Bild einer ernst zu nehmenden Hochschule bewahrt. Das zeigt, wie wichtig es ist, geschulte Mitarbeiter auch für die Social Media Kanäle einzusetzen.

 

Social Media wird erwachsen

Der eigentlich entscheidende Mehrwert und die Motivation für die Nutzer von Sozialen Medien ist ihr Gesprächs- und Beziehungscharakter. Hier werden nicht nur passiv Informationen konsumiert, sondern untereinander interagiert und durch wechselseitige Beziehungen eine dauerhafte Bindung aufgebaut. Ob professionelle Kommunikationsmaßnahmen in sozialen Medien Erfolg haben, hängt auch immer davon ab, ob der Auftritt einen authentischen und „beziehungswürdigen“ Charakter hat und den Dialog zu Einzelpersonen ermöglicht. In der Regel erfordert dies nicht nur zeitlichen Aufwand und Risikobereitschaft, sondern auch ein neues, erweitertes, dialog- und beziehungsorientiertes Verständnis von Kommunikation.

Social Media sollte auch von den Hochschulen ernst genommen werden und neben der Hochschul-PR nicht als „nette Nebensache“ behandelt werden, sondern auf gleichem Niveau agieren. Am Ende zählt das Erlebnis des potenziellen Studenten und ob sich daraus ein Zugehörigkeitsgefühl gegenüber der Hochschule entwickelt. Die Wahl des Studienortes kann dadurch entscheidend beeinflusst werden.

 


hsm-redaktion@aperto.com

Jonas Konstandin studiert Digitale Medien an der Hochschule Furtwangen. In seinem Praxissemester war er im Projektmanagement der Aperto AG tätig. Unter anderem betreute er Webprojekte, wie die Kampagne „Studieren in Fernost“ und war für das Hochschulmarketing zuständig.