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SelfAssessments: Marketing nach dem Win-Win-Prinzip

Aufgrund der Vielfalt der deutschen Hochschullandschaft ist es für Schüler gar nicht so einfach, sich für eine Studienrichtung zu entscheiden. Eltern können oft nicht mehr helfen, weil zu ihrer eigenen Studienzeit alles noch ganz anders war. Deswegen ist es keine Seltenheit, dass das Abitur zwar bestanden, die Frage „Was soll ich damit studieren?“ aber noch längst nicht beantwortet ist. Eine gute Möglichkeit der Orientierung bieten Online-SelfAssessments, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen.

Über 9.000 grundständige Studiengänge an 394 Hochschulen gibt es in Deutschland – eine unüberschaubare Auswahl, die manch einen angehenden Studenten überfordert. Bei der Recherche nutzt die Jugend fast ausschließlich das Internet. Hier geben die sehr beliebten Online-SelfAssessment  Angebote (OSA) Aufschluss über die persönliche Eignung für bestimmte Studiengänge.

Stellt die Hochschule selbst solche zur Verfügung, erreicht sie ohne Umwege ihre Zielgruppe. Aus der Unsicherheit Studierwilliger entsteht eine Win-Win-Situation für beide: Hochschulen sparen Ressourcen und erreichen durch die Registrierung des Nutzers eine Kundenbindung. Außerdem führt das eigene Portal zur Reduktion der Werbekosten bei hochschulfremden Studienportalen. Nutzer hingegen bekommen die Informationen, die sie benötigen.

Große Qualitätsunterschiede bei Studienwahltests

Bei bereits bestehenden Studienwahltests im Internet gibt es jedoch große Qualitätsunterschiede, manche bestehen aus zehn Fragen, andere sind wesentlich umfangreicher und testen die Begabung für logisches Denken, sprachliche Gewandtheit und räumliches Vorstellungsvermögen. Außerdem unterscheiden sich diese Orientierungshilfen darin, welches Ziel sie verfolgen: Manche sind hochschul- und fächerübergreifend angelegt und bieten daher ein recht breites Spektrum in ihren Ergebnissen. Mit anderen testet der Nutzer, welcher Studiengang an einer speziellen Hochschule ihm persönlich liegt. Die dritte Gruppe testet die Eignung für ein einzelnes Fach, beispielsweise Informatik, falls das Interesse einer bestimmten Studienrichtung bereits besteht.

Zu den wissenschaftlich fundierten Tests gehört www.was-studiere-ich.de, gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. Dieser bietet einen umfangreichen Orientierungstest mit der Bearbeitungsdauer von ungefähr anderthalb Stunden. Er setzt sich aus Interessen- und Fähigkeitstests zu sprachlichem, rechnerischem und bildhaftem Denken zusammen und schlägt anschließend passende Berufsziele und dazugehörige Studiengänge in Baden-Württemberg vor. Seit dem Wintersemester 2011/12 ist das Absolvieren des Testes für Studienbewerber dort Pflicht – das Ergebnis spielt keine Rolle, man benötigt lediglich das Teilnahmezertifikat. Geeignet ist der Test auch für angehende Studenten, die nicht in Baden-Württemberg studieren möchten, da er sehr viele Fächer abdeckt.

Übersichtliche Orientierungshilfe für NRW

Nordrhein-Westfalen nutzt seinerseits den Studifinder (www.studifinder.de), um potenzielle Studenten mithilfe eines sehr guten Studienwahlportals auf sich aufmerksam zu machen. Diese vom Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein‐Westfalen geförderte Orientierungshilfe ist strukturiert und übersichtlich, die verschiedenen Tests sind einzeln aufgebaut, so dass man sie zwischendurch unterbrechen kann. Die Ergebnisse sind alle für sich klar ersichtlich und detailliert. Außerdem kann man wählen: Wer schon weiß, in welche Richtung es gehen soll, lässt sich die passenden Hochschulen in NRW anzeigen, alle anderen bearbeiten zuerst die Orientierungstests. Alles in allem ein umfangreicher Test, der abwechslungsreich gestaltet ist und ein breit gefächertes Ergebnis liefert.

Der Verbund Norddeutscher Universitäten bietet SelfAssessment für verschiedene Studienbereiche: Gesellschafts- und Sozialwissenschaften, Naturwissenschaften, Rechtswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften oder Sprach- und Geisteswissenschaften. Diese Orientierung macht für all jene Studieninteressierten Sinn, welche zumindest schon eine grobe Idee haben, in welche Studienrichtung sie möchten. (Anm. d. Red.: Dieses Angebot wurde 2015 eingestellt.)

120 Fragen entscheiden über Empfehlung

Für die Schweiz gibt es seit neuestem den Studienwahlcheck, welcher auf der Basis des wissenschaftlichen RIASEC-Interessenmodell aufgebaut ist: Der Nutzer entscheidet anhand von 120 Fragen über sein Interesse an verschiedene Tätigkeiten und erhält anschließend passende Studiengänge mit den dazugehörigen Hochschulen der Schweizer Hochschullandschaft. Zur Orientierung ist er auch für deutsche Abiturienten bestens geeignet. http://studienwahlcheck.studium-schweiz.ch/

Wem der Standort besonders wichtig ist, kann sich bei der Orientierung bereits darauf festlegen – indem die hochschuleigenen Tests genutzt werden. Diese werden bereits von ein paar Hochschulen angeboten, die Tabelle ist lediglich ein Auszug:

Informationsquelle mit Potenzial

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass SelfAssessments eine gut zugängliche Informationsquelle sind – immer und für jeden verfügbar. Zwar können diese nicht das persönliche Gespräch mit einem Studienberater ersetzen, welcher individuell berät, doch als Orientierung sind sie bestens geeignet. Wer noch keine Vorstellung seiner Studienrichtung hat, bekommt erste Ideen, wohingegen andere ihre Studienabsicht damit bestätigen und festigen können. Des weiteren kann durch die direkte Auseinandersetzung mit Studieninhalten das Risiko eventueller Fehlentscheidungen bezüglich einer Studienrichtung verringert werden.

Die meisten Hochschulen in Deutschland haben großes Potenzial für Online-SelfAssessments, welches momentan noch nicht genutzt wird. Damit lassen sie sich eine große Chance entgehen, die Aufmerksamkeit zukünftiger Studenten zu bekommen. Fakt ist außerdem, dass mithilfe solcher Angebote geeignete Studenten zur Bewerbung ermutigt werden können.

hsm-redaktion@aperto.com

<p>Maria Stephan studierte „Literatur, Kultur, Medien“ mit der Ergänzung „Kommunikation und Medien“ an der Universität Siegen und absolvierte ein Praktikum der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit bei planZ, einer privaten Berliner Studienberatung.</p>