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Universität Lüneburg launcht Online-Hochschule

Für die Generation der heutigen Studierenden sind das Internet und die darüber verfügbaren Social-Media-Angebote fester Bestandteil ihres Kommunikations- und Informationsverhaltens, welches in hohem Maße von Schnelligkeit und Partizipation geprägt ist. Ausgehend davon  müssen Hochschulen die Prinzipien ihrer Kommunikation, Interaktion und Beteiligung überdenken und an die sich verändernden Bedingungen anpassen. Insbesondere die Verbindung von Studienangeboten und Social Media bietet die Chance für zielgruppengerechte und zeitgemäße Hochschulangebote. Die Leuphana Universität Lüneburg reagiert auf diese Entwicklung und wird im kommenden Januar ein kostenloses und zulassungsfreies Social-Learning-System starten.

Internationale Vorbilder gibt es bereits: Als eine der ersten Hochschulen hat das Massachusetts Institute of Technology (MIT) die Online-Lehrplattform MITx gegründet. Inzwischen beteiligen sich die Harvard University, die University of California, Berkeley sowie die University of Texas Systems (ab 2013) an der mittlerweile umbenannten Lehrplattform edX; weitere Hochschulen sollen folgen.

Hierzulande bietet die Leuphana Universität Lüneburg ab 2013 mit der neuen „Leuphana Digital School“ ein Social-Learning-System als Massive Open Online Course (MOOC) an. Hierbei handelt es sich um ein Bildungsangebot, das allen Interessierten weltweit kostenlos und ohne Zulassungsbeschränkung zur Verfügung gestellt wird. In aktiver Zusammenarbeit sollen dabei fünf aufeinanderfolgende, theoretische und praktische Gruppenaufgaben gelöst  werden. Die Ergebnisse können z.B. in Form von Videos oder Podcasts, aber auch in Blogbeiträgen und Social Media erstellt werden. Diese werden den anderen Teilnehmern zur Verfügung gestellt und können in Kommentaren und Bewertungen von den übrigen Gruppen begleitet werden.

 

Quelle: www.digital.leuphana.de

Quelle: www.digital.leuphana.de

Neue Möglichkeiten für Studierende: flexibel – transdisziplinär – international

Die Leuphana Universität Lüneburg versucht sich im ersten Durchgang der „Digital School“ durch die Verknüpfung von Fernstudiengängen und Social Media an einer neuen Form der Hochschulausbildung, die sich flexibel den Ansprüche der Studierenden anpasst: „Online-Studienangebote modularisieren Lehrinhalte und machen sie jedermann an jedem Ort zu jeder Zeit zugänglich – ohne feste Stundenpläne, Geld oder Zulassungsvoraussetzungen“, so der verantwortliche Vizepräsident der Leuphana, Holm Keller.

Für Studierende entsteht durch solche Angebote die Möglichkeit über die Grenzen der eigenen Hochschule, des Lehrplans und des Lehrpersonals hinaus Wissen zu generieren und sich auszutauschen, transdisziplinär zu studieren und sich zu vernetzen. Auf diese Weise kann im Studium weit über den Tellerrand, sogar über den Tischrand geschaut werden.

Im Fall des Online-Hochschulkurses der Leuphana besteht der Lehrkörper aus Wissenschaftlern von der Columbia University New York, der Arizona State University, der London School of Economics, der Goldsmiths University of London, und der Hebrew University of Jerusalem, der ETH Zürich, des Collegium Helveticum und der Universität Zürich, der Sun Yat-Sen Universität Guangzhou und der City University Hong Kong. Darüber hinaus liefern Fachleute aus Politik, Presse und Wirtschaft den Studierenden Input für Ihre Arbeit.

Studierende entwerfen die ‘Ideal City of the 21st Century’

Der erste Leuphana-Online-Hochschulkurs findet vom 9. Januar bis zum 28. April 2013 statt und steht unter dem Oberthema „ThinkTank Cities“. Gemeinsam sollen die Teilnehmer in Teams aus je fünf Studierenden Entwürfe für das künftige Leben in Ballungsgebieten erarbeiten und  ihre Vorstellungen von der Stadt der Zukunft in 2D- oder 3D-Modelle umsetzen.

Besonders interessant ist die Möglichkeit Leistungspunkte zu erwerben und diese von der jeweiligen Heimathochschule als Studienleistung anrechnen zu lassen, was aber sicherlich in hohem Maße von der jeweiligen Hochschule und Studienrichtung abhängig sein wird. Tatsächlich ist die Teilnahme kostenfrei, lediglich für die Ausstellung des Zertifikats über die erfolgreiche Absolvierung des Kurses wird eine Schutzgebühr von 20 Euro verlangt. Dies ist auffallend, da in Niedersachsen landesweit Studienbeiträge für alle Studierenden anfallen und die Studenten an der Leuphana semesterweise 500 Euro Studiengebühr entrichten müssen.

Star-Architekt Libeskind leitet das Online-Studium

Die Leitung des Projekts übernimmt der renommierte Architekt Professor Daniel Libeskind, der seit Sommer 2007 eine nebenberufliche Professur an der Leuphana Universität wahr nimmt. Für ihn ist das Projekt „eine Chance, mit der Intelligenz tausender multidisziplinärer Teams eine Vision für unser Zusammenleben im 21. Jahrhundert zu entwickeln“. Libeskind hat weltweit zahlreiche Konzepte entwickelt. Zu seinen Hauptwerken gehören u.a. das Jüdische Museum Berlin und die Arbeit am Ground Zero Master Plan.

Die Leuphana nutzt für ihre Digital School die Bildungsplattform „Candena Scholar“ der Candena GmbH, einer Neugründung des Schwerpunkts Digitale Medien des Lüneburger EU-Innovations-Inkubators, die auf die Konzeptionierung und Bereitstellung von Plattformen für globale Online-Kurse spezialisiert ist. Projektpartner der Leuphana Digital School ist die Fraunhofer Gesellschaft. Unterstützt wird der Kurs von dem Campusmanagement-Softwareanbieter Datenlotsen, der Tipp24 SE und dem Berufs- und Karriere-Netzwerk Xing.

Es bleibt abzuwarten wie das Angebot der Leuphana Universität Lüneburg angenommen wird und welche Erfahrungen die Hochschule sowie die Teilnehmenden im ersten Durchgang machen werden. Ebenso spannend werden die Reaktionen anderer Hochschulen sein; einerseits auf die Frage der Anrechnung der externen Credit Points und andererseits hinsichtlich der Schaffung eigener Angebote. Denkbar wäre eine Vereinigung deutscher Hochschulen zu einer gemeinsamen Plattform nach US-Vorbild.

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