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Neue Website für die Universität Osnabrück

Wer sich für ein Studium interessiert, steht vor allem vor zwei großen Fragen: Was möchte ich studieren? Und wo möchte ich studieren? Für Hochschulen ist das die Möglichkeit, auf sich und die eigenen Angebote aufmerksam zu machen – mit einem informativen und leicht zugänglichen Webauftritt zum Beispiel. Wir von Aperto betreuten und beraten seit Jahren Hochschulen wie die RWTH Aachen, die TU Hamburg-Harburg und die Uni Potsdam, wenn es um ihren Webauftritt geht. Deshalb sind wir immer gespannt darauf, was die anderen so machen. Kürzlich hat nun die Uni Osnabrück ihren Webauftritt grundlegend überarbeitet – und ich habe einen Blick darauf geworfen.

Das großzügig wirkende Layout der Startseite lädt ein und gibt dem User einen guten ersten Überblick über die Angebote und Studienmöglichkeiten der Uni Osnabrück. Auf einer sehr großen Bühne – sie nimmt auf Standard-Desktop-Rechnern und Tablet-Computern zwei Drittel der Bildschirmhöhe ein! – werden aktuelle Themen und Neuigkeiten präsentiert. Darunter folgt ein wichtiger, aber visuell leider etwas zurückhaltender Bereich mit den Direkteinstiegen in die Fachbereiche und den sogenannten Quicklinks. Ebenfalls dort platziert ist die Servicenavigation. Da sie aber zusätzlich im Footer untergebracht ist, hätte man an dieser Stelle zugunsten der Quicklinks darauf verzichten können.

Dem Einstieg in die Startseite folgen großzügige Bild- Text-Teaser, gruppiert in die Bereiche Pressemeldungen, Aktuelles, Campus und Kunstprojekt. Am Fuß der Seite sind noch einmal die Quicklinks zum Schwarzen Brett, zu Lageplänen, zur Mensa etc. in Form von Icons auf einem ein- und ausklappbaren Tableau dargestellt. Soweit so gut.

Einsatz der Hausschrift nicht konsequent durchgezogen

Der Einsatz der Hausschrift Meta als Webfont ist zeitgemäß und sorgt für visuelle Eigenständigkeit und Prägnanz. Die Schrift aber ausschließlich für Headlines zu nutzen und im Fließtext weitgehend mit der Standardsystemschrift Trebuchet zu arbeiten, ist formal nicht wirklich schön und auch technisch nicht nachvollziehbar. Gut gefällt mir, dass die meisten Landingpages hinter den Hauptnavigationspunkten mit Hilfe großer Bilder einen ersten Einblick in das jeweilige Thema geben. Hier ist gut zu sehen, dass es sich immer lohnt, Fotos vor Ort zu machen und auf generisch wirkendes Stockmaterial zu verzichten.

Die Quicklinks im Footer überzeugen mit einer individuellen Icon-Sprache, weniger allerdings der Einsatz der Icons als Bild-Grafiken. Hier hätten man, wie bei alle anderen Icons und Grafiken der Seite, mit SVG-Sprites auch den Bedürfnisse von Smartphone- und Tablet-Usern (Thema „pintch to zoom“) gerecht werden können.

Veranstaltungskalender sollte bereits auf der Startseite erreichbar sein

Der Veranstaltungskalender einer Universität ist ein wichtiges Tool und sollte dem Nutzer daher schon auf der Startseite in Ausschnitten zur Verfügung stehen. Der Online-Kalender der Uni Osnabrück befindet sich leider noch im Aufbau. Hier wäre eine Suchmöglichkeit innerhalb der Termine wünschenswert, ebenso die Möglichkeit, interessante Termine direkt digital in den eigene Kalender (Outlook, iCal, Google) eintragen zu können.
Als Übergangslösung oder spätere Ergänzung ist ein Archiv des gedruckten Veranstaltungskalenders in Form von PDF-Dokumenten hilfreich. Auch diese PDFs sollten von der Suche indiziert werden und damit in den Suchergebnissen auftauchen.

Suche als wichtiges Tool für jeden Nutzer

Generell ist das Thema Suche auf Websites mit komplexen Inhalten enorm wichtig. es gibt oft Fälle, in denen man  zwar nicht zielgenau suchen kann, trotzdem aber relevanten Content finden möchte. Suchvorschläge wären hier sehr hilfreich, z.B. dass bei der Suche nach „Semester“ auch -Ticket, -Planer, -2013 etc. mit angezeigt wird.

Eine Suchergebnisliste, wie auf der Website der Uni Osnabrück, ohne weitere Filtermöglichkeit (Aktualität, Relevanz, Medien etc.) ist darüberhinaus sehr ernüchternd. Man fühlt sich regelrecht verloren. Hier ist der User durch Funktionalitäten wie Autovervollständigung und das Anzeigen von Suchvorschlägen a la Amazon, Google, Zalando, TUI inzwischen weitaus mehr gewöhnt.

Die Seiten der Fachbereiche und Institute gibt es leider noch nicht im neuen Design. Hier hätte ich mir eine Subbrandingstrategie, zum Beispiel mit einem einheitlichen Header oder einer Absenderkennung, gewünscht. Dies wird aber mit Blick auf ein einheitliches Erscheinungsbild über die Einstiegsseiten in die Fachbereiche hinaus hoffentlich noch nachgeholt.

Mobile

Eine Website so zu gestalten, dass sie auf möglichst vielen Endgeräten – vor allem auf mobilen wie Smartphone, Maxi-Smartphone, Tablet oder Mini-Tablet – funktioniert, ist die große Herausforderung, vor der wir heute stehen. Die Website der Uni Osnabrück ist leider nicht optimal nutzbar. Sie weist einige Schwächen auf.

Responsiv, doch nicht für mobile Geräte optimiert

Die Seite ist zwar responsive, passt sich also unterschiedlichen Bildschirmbreiten und -größen an, doch gerade die Navigationsmechanik ist nicht für mobile Geräte optimiert. Schon ab einer Bildschirmbreite von 768 Pixeln (entspricht Tablet Portrait) wirkt sie arg unübersichtlich und kleinteilig. Das liegt daran, dass die Navigation nicht, wie zu erwarten, visuell reduziert wird, beispielsweise durch ein Menu-Icon. Stattdessen ist sie vollständig mehrzeilig dargestellt. Eine intuitive Nutzerführung sieht anders aus.

Weniger Inhalt für eine bessere Übersicht

Bei der Darstellung des Contents sollte man auf einen Teil der Inhalte verzichten, wenn die Seite für kleiner werdende Bildschirme angepasst wird. Hier wird beispielsweise die Anzahl der Bild-Text-Teaser auf der Startseite nicht reduziert. Gerade auf dem Smartphone wirkt das sehr unübersichtlich. Zudem ist die Performance der Seite durch die geringe Bandbreite und längere Ladezeiten geschwächt, die User Experience eher suboptimal. Hier ist deshalb ganz klar weniger mehr.

Social Media

Wer sich für ein Studium interessiert, lässt sich heute bei der Wahl einer Hochschule oder des Studiengangs immer häufiger über Social-Media-Kanäle beeinflussen. Es wundert mich deshalb, dass die Uni Osnabrück hier bislang nichts zu bieten hat, abgesehen von einem Twitter-Kanal, der wenigsten konstant gepflegt wird. Diese Aktivität kommuniziert die Hochschule aber leider nicht auf der eigenen Website. Warum?

Studierenden-Projekt bringt Inhalte auf die Website

Toll finde ich die Idee, die Studierenden mit der Rubrik „Kunstprojekt: Studierende sehen ihre Stadt“ auf die Website zu nehmen und damit das Thema „User generated Content“ aufzugreifen. Doch auch hier hätte man bestehende Social-Media-Angebote wie Flickr, Instagram oder EyeEm nutzen und integrieren können.

Auch hauseigenen Publikationen wie das Magazin „Unzeit“ könnte die Hochschule über digitale Publishing-Plattformen wie issuu verbreiten und in ihre Webseite einbetten. Gerade für Tablet-Nutzer würde das Lesen so noch attraktiver.

Barrierefreiheit

Auf ausreichenden Farbkontrast des Textes und ausreichende visuelle Auszeichnung von Links wurden geachtet. Zudem erleichtern ein Breadcrumb Trail und aussagekräftige Seitentitel die Orientierung auf der Seite. Eine Barriere ist dagegen die Tatsache, dass die vorhandene Sitemap nicht von allen Seiten aus direkt erreichbar ist. Auch der ausgeblendete Tastaturfocus, der einen Zugang ohne Maus verhindert, stellt Menschen mit Behinderungen vor eine Hürde. Sie sollten eigentlich mit der Tabulatortaste alles sichtbar erreichen können.

Fazit: Die Website ist auf den ersten Blick visuell sehr ansprechend, wartet aber mit einigen technischen und handwerklichen Schwächen auf, die leider das Gesamtbild und das Nutzer-Erlebnis trüben.

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