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Uni Hohenheim schafft Basis für die Zukunft

Eine Analyse zum Website-Relaunch der baden-württembergischen Universität

Provokant gefragt: Was ist schon so schwer daran, eine Universitäts-Homepage zu gestalten? Warum überhaupt so viel Mühe in die Gestaltung einer Homepage stecken, mit der nichts verkauft wird? Lohnt sich der Aufwand überhaupt?

Durchaus berechtigte Fragen, die ein Großteil der deutschen Universitäten für lange Zeit mit „Nein“ zu beantworten schien. So zumindest der Eindruck, wenn man noch vor wenigen Jahren eine durchschnittliche Universtitäts-Homepage ansah. Doch in den letzten fünf Jahren hat sich viel getan: Den Universitäten ist klar geworden, dass ihre Homepage zum zentralen Kommunikations- und Informationsportal für (angehende) Studierende, Alumni und Mitarbeiter geworden ist. Wer eine moderne, professionelle und gut zu bedienende Homepage hat, überträgt diese positiven Attribute auch darauf, wie die Universität von Außenstehenden wahrgenommen wird.

 


Als User Experience Consultant beschäftige ich mich täglich mit der Bedienungsfreundlichkeit und Gesamtwirkung von Homepages aus Sicht der Nutzer. Der Relaunch der Universität Hohenheim sticht positiv hervor – er erfüllt viele Anforderungen an eine moderne nutzerzentrierte Website. Ich möchte Ihnen in diesem Beitrag vorstellen, was mir gut gefallen hat, um Ihnen Anregungen für Ihre eigene Homepage zu geben und darauf hinzuweisen, welche Stolpersteine Sie vermeiden sollten.

Startseite der Uni Hohenheim ist auf Kernzielgruppe ausgerichtet

Aus Sicht des „User-Centered Designs“ (zu Deutsch: Nutzerzentrierte Gestaltung) steht immer die Frage nach der Zielgruppe an erster Stelle: Wer besucht meine Homepage? Zu welchem Zweck wird die Homepage besucht? Wie kann ich diesen Zweck bestmöglich bedienen? Für eine Universität sind die größten Zielgruppen:

  • Angehende Studierende
  • Bereits eingeschriebene Studierende
  • Alumni und
  • Mitarbeiter der Universität.

Wer jetzt versucht, alle diese Zielgruppen bereits auf der Startseite mit möglichst vielen Inhalten zu bedienen, wird schnell feststellen, dass die Startseite hoffnungslos überladen und unübersichtlich wird.

Die Uni Hohenheim zeigt mit dem Relaunch erfreulicherweise eine Reduktion auf das Wesentliche: Auf der Startseite steht an erster Stelle das für angehende Studierende besonders wichtige Studienangebot. Diese wichtige Zielgruppe sind Erstbesucher der Homepage und müssen sich zunächst an die Homepage gewöhnen und „abgeholt“ werden. Mitarbeiter und eingetragene Studierende finden auch über die Navigation zum Ziel, für sie ist eine solche Bühne nicht notwendig.

Schön gelöst: Kurze Navigationswege und Einführung zu jedem Studiengang

Nicht selten kommt es vor, dass wichtige Informationen nur schwer zugänglich oder sogar „versteckt“ sind. Die Darstellung des Studienangebots auf der Startseite löst dieses Problem elegant: Mit einem Klick auf eine der drei Fachrichtungen gelangen Sie direkt zur Übersicht der verfügbaren Studiengänge, übersichtlich sortiert nach Bachelor, Master und Staatsexamen. Dabei können Sie bequem zwischen den Fachbereichen wechseln und sich über das Angebot informieren. Dies ist besonders hilfreich, wenn Sie sich nicht sicher sind, ob „Bioeconomy“ zu den Natur- oder zu den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zählt.

Zu jedem Studiengang gibt es darüber hinaus eine kurze Einführung, die ebenfalls direkt auf der Startseite angezeigt wird. Besonders hervorzuheben sind hier die aufwendigen Videos, in denen Studierende in wenigen Minuten den Studiengang an der Universität vorstellen und Appetit auf mehr machen – ideal für Erstbesucher, die noch nicht genau wissen, für welchen Studiengang sie sich entscheiden möchten.

 

 

 

Modernes und aufgeräumtes Design

Die Optik der Homepage präsentiert sich im modernen „Flat Design“ (zu Deutsch: flaches Design), welches auf minimalistische und flache Grafiken, klare Typografie und Linienführung sowie „Kacheln“ zur Einteilung des Contents setzt. Freie Flächen unterstützen den Nutzer bei der Wahrnehmung der verschiedenen Inhaltselemente und sorgen für Struktur. Das moderne Design vermittelt den Besuchern: „Die Universität Hohenheim ist am Puls der Zeit“.

Wichtig bei der Gestaltung eines Flat Designs ist es, es nicht „zu übertreiben“ und die minimalistische Optik auf Kosten einer intuitiven Nutzerführung zu erkaufen. Ein besonderer Fallstrick: Klickbare Elemente müssen immer als solche zu erkennen sein und durch Pfeile, Unterstreichungen und Hervorhebungen kenntlich gemacht werden. Die Kacheln und Textlinks verändern auf der Homepage der Uni Hohenheim dezent die Farbe, um genau dies anzudeuten. An manchen Stellen könnte dies jedoch noc

 

 

Der Content steht immer im Vordergrund

Was mir an der Homepage der Uni Hohenheim besonders gut gefällt: Trotz – oder gerade wegen des neuen Designs – steht immer der Content im Vordergrund. Homepagebesucher haben einen Informationsbedarf, den sie schnellstmöglich befriedigen möchten. Eine moderne Optik ist schick, hilft aber wenig, wenn dadurch der Content vernachlässigt wird. Er ist das Herzstück einer jeden Website und sollte immer oberste Priorität haben. Entscheidend dabei ist, dass der Content verständlich, übersichtlich und schnell zu finden ist. Der beste Content nützt nichts, wenn er in langen Absätzen oder schlechten Menüstrukturen versteckt ist.

Was mir an der Contentstruktur und -darstellung besonders gut gefällt:

  • Steckbrief: In einem „Steckbrief“ werden zu jedem Studiengang die wichtigsten Informationen „auf einen Blick“ in einer tabellarischen Auflistung dargestellt. TOP!
  • Die kontrastreiche Schrift und die saubere Typografie sorgen für eine gute Lesbarkeit.
  • Mehrere Wege führen zum Ziel: Wenn Sie als Studierender in der Hauptnavigation auf „Studium“ anstatt auf „Studierende“ klicken, finden Sie trotzdem einen Link zum Studierendenbereich.
  • Kontextsensitive Marginalspalte: Auf den Inhaltsseiten werden im rechten Bereich in einer Extra-Spalte Ansprechpartner, sinnvolle Querlinks und Downloads von Infobroschüren angeboten. Dabei beschränkte man sich auf die wirklich relevanten Informationen, so dass der Bereich nicht zu überfüllt wirkt.
  • Die Suchfunktion gibt hilfreiche Hinweise und Vorschläge, die helfen, falls Tippfehler auftauchen oder keine Ergebnisse gefunden werden.

 

 

Optimiert für die mobile Nutzung

Einen der wichtigsten Punkte habe ich bisher noch ausgelassen: Die Website ist responsive, d.h. sie passt sich in ihrer Darstellung automatisch den verschiedenen Displaygrößen an, vom kleinen Handy bis zum großen Desktop-Bildschirm. Das ist nicht bloß modern, sondern unverzichtbar. Es gibt kaum noch Websites, die nicht auch für kleine Displaygrößen optimiert sind. In unseren User-Tests schneiden Websites, die nicht für die Nutzung mit den Smartphone optimiert sind, mittlerweile ganz schlecht ab: Zu sehr haben sich Smartphone und Tablet in unseren Alltag integriert.
Die responsive Homepage der Uni Hohenheim funktioniert grundsätzlich sehr gut: Die Inhalte werden bei kleineren Displaygrößen untereinander angeordnet und die Hauptnavigation verschwindet hinter einem Menü-Button. Dabei wird die grundsätzliche Optik beibehalten, so dass eine einheitliche Nutzerfahrung über mehrere Geräte hinweg entsteht.

An der einen oder anderen Stelle gibt es bei der mobilen Version aber noch Nachholbedarf: So sind z. B. auf kleinen Displays bei manchen Kacheln die Überschriften „abgeschnitten“ oder überlagern den Text darunter (Abb. 6).

Auch die Hauptnavigation über den Menü-Button weist Schwächen auf: Die Navigation springt nicht automatisch zu einem Unterpunkt, wenn der Nutzer diesen öffnet, wodurch er selbst scrollen muss. Und: Die geöffneten Unterkategorien lassen sich nur sehr schwer von den Oberkategorien unterscheiden, wodurch schnell der Überblick darüber verloren geht, wo sich der Nutzer gerade befindet und welcher Menüpunkt ihn wohin führt (Abb. 7).

 

Fazit

Der Relaunch der Uni Hohenheim ist aus Usabilityperspektive durchweg gelungen. Die klare Fokussierung auf die Zielgruppe und die wesentlichen Inhalte sowie das moderne, responsive Layout und die emotionalen Bilder und Videos passen gut zum Angebot der Universität und seinen Nutzergruppen. Natürlich gibt es noch genügend Optimierungspotential, wie z. B. bei der Bedienung auf dem Smartphone, aber der Grundstein für eine zukunftssichere Homepage ist erst einmal gelegt. Glückwunsch!

ole.kleinert@eresult.de

<p>Ole Kleinert studierte Psychologie an der Universität Frankfurt mit dem Schwerpunkt Arbeits- und Organisationspsychologie. Er arbeitete zunächst 3,5 Jahre am Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie und ist als User Experience Consultant bei der eResult GmbH am Standort Frankfurt tätig und beschäftigt sich dort mit User Experience Research.</p>